Als südbadischer Pokalsieger 1987 war der Offenburger FV für die erste DFB-Pokalrunde qualifiziert und konnte sich freuen. Von den baden-württembergischen Clubs hatte der OFV das große Los gezogen: Borussia Dortmund. Als krasser Außenseiter erkämpfte sich der OFV in 120 Minuten nach Verlängerung ein mehr als verdientes 3:3...

Den Sektbecher in der Hand schwenkend, die Sonnenbrille über die Augen gezogen, so, als sei er geblendet von dem, was sich eben zwei Stunden lang auf dem Rasen des Karl-Heitz-Stadions zugetragen hatte, lief Torhüter Klaus Müller durch die Kabine und sang: „Von der Kinzig bis an den Mühlbach, immer wieder Ooeffvau!“
Siebentausend mögen es am Samstagnachmittag gewesen sein, die es miterlebt haben, dieses 3:3 des Offenburger FV gegen die Fußball-Profis aus Dortmund. Dieses 3:3 nach Verlängerung bei 35 Grad in der Sonne, das den Zwei-Klassen-Unterschied weggewischt hatte wie die durstigen Biertrinker ihren Schaum vom Mund. Und das sie alle zu Freunden machte, die oft so kritischen Nörgler auf den Rängen und die dreizehn „Weißen“ unten auf dem Rasen, die in ihren neuen Trikots rannten und kämpften, als ob es um viel mehr ginge als nur um ein Fußball-Spiel.
OFV-Präsident Norbert Kramer suchte nach Worten: „Absoluter Wahnsinn, wir waren doch besser als die!“ Und der Werbefachmann übertrieb nicht, als er sagte: „Den Chancen nach hätten wir den Sieg verdient gehabt.“ Während drinnen in der Kabine Masseur Helmut Müller mit der einen Hand zum Schampus griff und mit der anderen die Muskeln des völlig erschöpften Bob Augustyn knetete, übte Dortmunds Coach Reinhard Saftig ehrliche Selbstkritik: „Man kann vor solchen Spielen reden, was man will. Auf dem Platz ist von der guten Einstellung einfach nichts mehr zu sehen.“ Und: „Das Unentschieden ist für Offenburg hochverdient.“
Keine Frage: Wenn ein Oberligist gegen einen Bundesligisten dreimal einen Rückstand wettmacht (OFV-Trainer Bernd Schmider: „Eine Leistung, die nicht zu beschreiben ist“), dann darf er sich auch als Sieger feiern lassen, wenn's am Ende „nur“ 3:3 steht. Und Verletzungen wie die von BVB-Stürmer-Star Frank Mill (fehlte wegen Rippenbruch), Marcel Raducanu (beim Abschlußtraining in Offenburg umgeknickt) oder Norbert Dickel (mußte nach einem Schlag gegen das Sprunggelenk ausgewechselt werden) tun in einem solchen Moment dem gelungenen Streich keinen Abbruch. In der Stunde des ersten Triumphes seiner noch jungen Trainerlaufbahn, auf die die Hypothek von 2:6 Punkten in der Oberliga lastete, fand der 32-jährige Schmider leise, fast bescheidene Worte der Genugtuung: „Ein Riesenkompliment an alle, ohne daß ich einen herausheben will.“
Muß man nicht, kann man aber. Martin Wagners Vorstellung mit zwei Treffern als Krönung war für einen 19-jährigen schlichtweg sensationell, Frank Ritters Libero-Part mit vehementer Schlußoffensive in der Verlängerung fast schon bundesligareif. Und Franz Benz, Gotthard Schwörer sowie Thomas Leberer spulten ein Laufpensum herunter, von dem sie vielleicht selbst nicht wußten, daß sie es drin hatten. Auch nicht von der Kaltschnäuzigkeit, von der Souveränität, mit der die Offenburger von der ersten Sekunde an auftrumpften. In den ersten zwanzig Minuten gewannen die Amateure 90 Prozent aller Zweikämpfe und damit ein unglaubliches Selbstbewusstsein. Ob Benz gegen McLeod, Leist gegen Raducanu, oder Kornetzki gegen Dickel, fast immer hatte der OFV den Fuß zuerst dran. „Nach jedem ge¬wonnenen Zweikampf gab's Beifall, das half unheimlich“, sagte Kornetzki nachher. Und Franz Benz meinte: „Der Grundstein lag hinten, wir haben super die Räume zugemacht im Mittelfeld.“
So hielt die OFV-Moral auch, als der Rückstand kam. 34. Minute: Ballzauberer Raducanu, bis dato wie die gesamte Borussia kaum nennenswert in Erscheinung getreten, hebt den Ball gefühlvoll über Libero Ritter und trifft ihn volley, bevor er wieder aufsetzt — unhaltbar. Das 0:1 wirkt wie eine kalte Dusche in die aufkeimende Euphorie. Zwei Minuten später steht das Stadion Kopf: Wagner wird gefoult, Frank Ritter drischt den aufgelegten Freistoß aus 22 Metern ins Eck - 1:1, es geht von neuem los.
Das gleiche Spiel nach der Pause: Bloß das diesmal, beim 1:2 der Dortmunder, Stefan Kimmig ein kapitaler Fehlpass unterläuft. Raducanu nimmt das Geschenk dankend an, Banach braucht nur noch den Fuß hinzuhalten. Wieder reagiert der OFV; als wäre nichts geschehen. Und als Martin Wagner nach genau einer Stunde die Dortmunder Abwehr zu Statisten degradiert und mit dem falschen, dem rechten Bein unter die Latte trifft, hat das Match seinen neuralgischen Punkt erreicht.
Dortmund wird offensiver, vor allem über Kleppinger, will die Entscheidung. Die Abnutzungsschlacht geht weiter, die auch den Profis wehtut. Offenburg dagegen lauert auf Konter, aber der „tödliche“ Schlag gelingt nicht. „Wenn wir 3:2 in Führung gegangen wären, hätten wir gewonnen“, sagt Martin Wagner später. Stattdessen geht es in die Verlängerung. Schmider bringt Anderer für den erfolglosen Solisten Cakalic und Frädrich für Schwörer, der sich restlos verausgabt hat. Doch Dortmund macht das Tor. Als Anderbrügges Freistoß nach 103 Minuten einschlägt, herrscht Grabesstille im Karl-Heitz-Stadion. Das muß das Ende sein. Zehn Minuten schwankt der OFV zwischen Trotz und Aufgabe. Dann macht Frank Ritter, inzwischen längst nicht mehr Libero, möglich, was die Vernunft den von der Hitze und den mörderisch langen Wegen ausgelaugten Körpern verbietet: Seine Flanke vom rechten Flügel drückt Wagner per Kopf zum 3:3 ins Tor. “Standing Ovations“ auf den Rängen. Auch dann noch, als Schiedsrichter Schäfer sieben Minuten später abpfeift und das Rückspiel in Dortmund perfekt ist. (Quelle und Bild: Mittelbadische Presse)

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