Der Aufstieg ist das Ziel

Die schleppende, manchmal beklemmende Atmosphäre an der Badstraße ist Vergangenheit. Der inzwischen stolze 112 Jahre alte Offenburger FV hat sich neu erfunden. Das heißt: Es gibt endlich eine gute Mischung aus „Jugend forscht“ und alten Hasen…

Team-Manager Heinz Falk sagt den entscheidenden Satz: „Dieses neue Team funktioniert sehr gut!“ Der OFV hat zudem einen kompetenten Trainer – und eine junge, hungrige Mannschaft mit erfahrenen Strategen. Coach Florian Kneuker kann also in seiner zweiten Saison beim OFV höhere Ziele verfolgen. Zunächst aber achtet er akribisch auf die Zusammensetzung des Kaders und den Formaufbau der einzelnen Spieler, von denen etliche aus teils schweren Verletzungen heraus ans Leistungslimit herangeführt werden müssen.

In der Abwehr gilt das für Sascha Ruf (nach Kreuzbandriss), der wieder seinen Platz rechts in der Kette anstrebt. „Die Spritzigkeit fehlt noch, aber die Energie ist da – und er ist ein Führungsspieler“, sagt Kneuker. Das Defensiv-Problem wird sein, den Abgang von Nico Schlieter (SV Linx) zu kompensieren. Eine Alternative könnte der vom SC Lahr gekommene Joe Obosso sein. „Erfahren, robust, gut im Luftkampf – aber nach Verletzung noch nicht bei 100 Prozent“, steht auf Kneukers Beipackzettel. Bauen kann der Trainer auf Luca Kehl und Simon Leopold. „Die beiden waren die Überraschung der letzten Saison, an denen müssen die anderen erst mal vorbei“, sagt er.

Die anderen sind Luca Ernst, der auch rechts hinten spielt, Fabian Feißt, der auf der linken Seite den bis November in München lebenden Samuel Geiler ersetzen kann, Maximilian Leist, dem Kneuker einen „feinen Fuß bei Standards“ attestiert, aber auch, dass er „zu ruhig auf dem Platz ist“, und der nach einem USA-Jahr zurückgekehrte Markus Feger. Im Tor ist noch nichts entschieden. Sinan Süme hat die Nase leicht vorne. „Aber in Stein gemeißelt ist das nicht“, sagt Kneuker gleich. Zunächst heißt der Konkurrent Jonas Leptig. Aber bis in ein paar Wochen lauert dann der neue Mann aus dem Elsaß auf seine Chance. Der französische Viertliga-Keeper Kehi mit dem unausprechlichen Vornamen Vauvenargues könnte der lachende Dritte werden. Kneuker: „Er hat Ausstrahlung und Erfahrung.“ Erst aber muss seine Sperre wegen Schiedsrichter-Beleidigung (DFBnet: Sperre bis 30. Juni 20) aus der letzten Saison ablaufen. Sanktionen dieser Art greifen mittlerweile grenzüberschreitend wie Verkehrsdelikte.

Im Mittelfeld ist der Konkurrenzkampf besonders groß. „Wir haben sechs zentrale Spieler“, sagt der Trainer. Einer der Platzhirsche ist Louis Beiser-Biegert auf der Sechs. Gesetzt sein dürfte auch Stefano Anzaldi, den Kneuker als „sehr lauffreudig mit guter Orientierung“ beschreibt. Ganz wichtig ist die Rückkehr von Eimen Kelbi, den eine schwere Knieverletzung 16 Monate außer Gefecht setzte. Am Ende der Vorsaison fasste er als Einwechselspieler wieder Fuß. Nun soll mehr draus werden. „Er kann den Unterschied machen mit seinen Steckbällen in die Spitze“, weiß Kneuker.

Sehr interessant ist Neuzugang Jonas Preußler, nicht nur, weil er der Sohn des früheren OFV-Trainers Arnold Brunner ist. Sondern vor allem, weil er viel Dynamik mitbringt und in die U19 des SC Freiburg reinschnuppern durfte. Sein Handicap: Nach Knorpelschaden im Knie muss er vorsichtig aufgebaut werden. Weitere Kandidaten sind Dimitrios Tsolakis, der sich aber am Wochenende im Test gegen Herbolzheim einen Bänderriss zuzog und monatelang ausfallen wird, Lucas Zind – und natürlich Marco Junker. Doch die Kampfmaschine des OFV ist wegen erneut auftretender Rückenschmerzen außer Gefecht. So wie Kapitän Marco Petereit, den eine schwere Zerrung in der Wade am Training hindert. Das heißt: Im Sturm baut Kneuker derzeit auf Torjäger Fabian Herrmann („20 Tore wären mal ein Ziel für ihn“), Lukas Martin, den Schnellsten aller OFV-Kicker, das läuferisch noch unterbelichtete Talent Hilaire Obame sowie auf Diogo Carolina, der es beim SV Oberachern nicht in die Oberliga schaffte, den Kneuker aber als „echten Straßenfußballer“ auf dem Zettel hat.

Bei so viel Perspektive lässt sich der Präsident nicht lumpen: „Als Erstes erwarte ich von der neuen Saison den Aufstieg in die Oberliga“, formulierte Uwe Hoffmann im Cran-Canaria-Urlaub sein „Fern“-Ziel. Der Trainer drückt das Ganze nur etwas vorsichtiger aus. „Wenn es keine Oberliga-Absteiger gibt und die beiden Top-Teams der letzten Saison aufgestiegen sind, kann ich nicht sagen, dass wir wieder Dritter werden wollen.“

Zumal es die historische Chance auf ein Ortenauer Dreieck in der Oberliga gibt, falls der OFV aufsteigt und der SV Linx sowie der SV Oberachern den Klassenerhalt schaffen.

(Lokale Quelle: Mittelbadische Presse, Bild: U. Marx)