Dem Profifußball ganz nah

Fußballerisch regieren im Karl-Heitz-Stadion nicht die Alten. Der Offenburger FV besticht durch jugendliche Frische und mit einem Verbandsliga-Kader im Altersschnitt von knapp 24 Jahre…

Der Offenburger Verbandsliga-Kader, welcher mit einem Altersschnitt von knapp 24 Jahre und deren Trainer Florian Kneuker mit gerade einmal 37 Lenzen immer noch verhältnismäßig jung daher kommt, ist keineswegs unerfahren. Fußballerisch regieren im Karl-Heitz-Stadion nicht die Alten. Dennoch trägt es besonderes Gewicht, wenn sich Team-Manager Heinz Falk zu Wort meldet. 80 Jahre zeigt dessen Lebensuhr mittlerweile. Mehrere Jahrzehnte davon hat er für den „Traditionsverein von der Badstraße“ geopfert, ist seit 20 Jahren im Vorstand und seit knapp zehn Jahren Sportchef der ersten Mannschaft. Ein Leben in Rot-Weiß quasi. Es ist als historische Wertschätzung zu verstehen, wenn Falk sagt: „In meiner Zeit hier habe ich viele gute Trainer erlebt, aber Florian ist schon etwas Besonderes. Seine Arbeit an der Tafel, das alles ist schon überragend.“ Das Lob des OFV-Methusalems wiegt auch deshalb so schwer, wenn man bedenkt, in welche Phase es fällt.

Der ausklingende Spätsommer kam für den OFV keineswegs in den vertröstenden Farben des goldenen Oktobers daher. Fünf Punkte aus sechs Spielen und Tabellenplatz elf waren für den letztjährigen Dritten zu wenig. Trainerdiskussionen führten sie dennoch nicht. Von Kneukers Qualitäten sind sie restlos überzeugt. „Man merkt ihm die Erfahrung des Profibereichs an“, befand Falk, der sicher klang: „Wir kommen da wieder raus.“ Und ähnlich positiv gestimmt war auch Coach Florian Kneuker. Der 37-Jährige sitzt im Auto. Mal wieder. Die Autobahn A5 ist so etwas wie Kneukers drittes Zuhause. Neben Zeit in den eigenen Freiburger vier Wänden und Übungsstunden auf den Kickplätzen des Breisgaus als Inhaber einer Fußball-Schule ist die Nord-Süd-Autobahn einer der Orte, an denen der A-Lizenzinhaber besonders viel Zeit verbringt. Zwei Jahre lang pendelte er nach Hoffenheim, wo er mit Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco die U19 betreute. Momentan bringt ihn die A5 regelmäßig zum Trainingsgelände des OFV.

„Klar hinkten wir hinter den Erwartungen zurück“, sagt der Trainer. „Uns fehlten unsere Unterschiedsspieler.“ Die Verletztenliste war lang: In Jacob Harter, Marco Junker, Marco Petereit, Lucas Zind, Eimen Kelbi, Luca Kehl und Stefano Anzaldi fielen sieben Leistungsträger auf einmal aus. Lukas Martin weilte im Urlaub, Samuel Geiler absolvierte bis Ende November ein Praktikum beim FC Bayern in München.

Das war einfach zu viel, um den anspruchsvollen Fußball zu spielen. „Ich versuchte, in meinem Training und in den Spielen fußballerisch mit flachen Pässen den Spielaufbau zu lösen, ohne eine gewisse Variabilität je nach Gegner missen zu lassen. Gegen den Ball würde ich gerne noch häufiger Angriffspressing spielen, wenngleich das nötige Personal hin nd wieder fehlt."

Kneuker spielte einst selbst lang auf gehobenem Niveau. Als schmächtiger Spieler musste er technische Lösungen finden. Was sich bewährte. Nach Jugendjahren beim PTSV Jahn Freiburg erlebte er erfolgreiche Jahre bei der Eintracht Frankfurt (U19), dem SV Kappel (Landesliga), beim FC Bötzingen, und dem FC Teningen (beide Verbandsliga), dem beim FC Emmendingen auch zwei Oberliga-Saisons folgten. Danach verschlug es ihn zum Freiburger FC, als er seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann fertigstellte. „Ich habe schon sehr früh eigene Trainererfahrung gemacht“, erinnert sich Kneuker. Bereits als 15-Jähriger trainierte er Nachwuchsteams.

Richtig ins Trainergeschäft stieg er ein, als er beim PTSV Jahn Freiburg als Spielertrainer auflief. Danach ging’s rasant. Für drei Jahre half er in einer Fußballschule aus. Ein Jahr lang war er Co.-Trainer der U17 des SC Freiburg. Und plötzlich stand er vor ihm. Als Kneuker ein dreitägiges Praktikum bei der TSG 1899 Hoffenheim absolvierte, musste seine Qualität aufgefallen sein. Denn im Anschluss an eine Trainingseinheit fragte ihn Julian Nagelsmann relativ unvermittelt, ob er ihn nicht als Co.-Trainer unterstützen wollte. Weil Nagelsmann damals an seinem Fußball-Lehrerschein tüftelte, weilte er zwei Tage die Woche in Hennef. Gemeinsam mit Kumpel Mathias Kaltenbach leitete Kneuker diese Einheiten. Ähnlich stark eingespannt war er dann auch in den Trainingsbetrieb, als Domenico Tedesco die U19 der TSG coachte.

Danach aber war vorerst Schluss. Zu wenig aussichtsreich schien das folgende Angebot, zu unsicher, wie arg er eingespannt sein würde. So konzentrierte er sich auf seine Aufgaben in seiner ProKick Fußballschule, die mittlerweile eine große Nummer im Breisgau ist. „Bis zu 1.000 Kinder sind im Jahr bei uns“, sagt Kneuker. Als vor über einem Jahr das Angebot aus Offenburg kam, zögerte er nicht lang. „Hier stimmt das Konzept mit jungen Spielern.“

(Auszug: Badische Zeitung, Bildmotiv: U. Marx)